Landschaftspflegeaktion 2013 - Ehrenamtlich aktiv für die Kulturlandschaft

16.03.2014

Landschaftspflegetag des Fördervereins Naturpark Schönbuch und „LIFE rund ums Heckengäu“ am Schönbuchtrauf

Als "voll ausgelastet" konnte man wohl den Wanderparkplatz Mönchberger Sattel am frühen Vormittag des 26. Oktobers bezeichnen.

Autos vollgepackt mit ehrenamtlichen Helfern und "schwerem Gerät" trafen nach und nach ein. Rund 70 Freiwillige folgten der Einladung des Fördervereins Naturpark Schönbuch und des Naturschutzprojektes "LIFE rund ums Heckengäu", sich an diesem Samstagvormittag der Landschaftspflege am Schönbuchtrauf oberhalb von Herrenberg-Mönchberg zu widmen. Mit Sägen, Heugabeln, Ast- und Rebscheren bewaffnet folgte der "Putztrupp" dem Trampelpfad zu den nicht mehr bewirtschafteten Streuobstwiesen am Steilhang des Schönbuchtraufes.

Unter strahlend blauen Himmel begrüßte der Waldenbucher Bürgermeister und Vorsitzender des Fördervereins Naturpark Schönbuch Michael Lutz alle Helfer, zu denen auch die Förster Reinhold Kratzer, Daniel Berner, Winfried Seitz und Andreas Hank vom Forstamt Böblingen gehörten. "So viel ehrenamtliches Engagement für den Naturschutz ist beeindruckend", lobte Wolf Eisenmann, Böblinger Umweltdezernent, der sich genau wie sein Vorredner Michael Lutz über die tolle Beteiligung an diesem Landschaftspflegetag freute. Mit von der Partie waren auch Herrenbergs Oberbürgermeister Thomas Sprißler, naturparkvorsitzender Martin Strittmatter und der Geschäftsführer des Naturparks Schönbuch Mathias Allgäuer. Nachdem auch Projektleiterin Monika Rieger von "LIFE rund ums Heckengäu" ihren Dank und ihre Freude ausgesprochen hatte, ging es dem Gehölzbewuchs auf den Wiesen an den Kragen.

"Die Besitzer der Grundstücke sind manchmal aus Altersgründen nicht mehr in der Lage, ihre Streuobstwiesen zu bewirtschaften, so dass sie nach einigen Jahren mit Brombeeren und anderen Wildgehölzen zuwachsen", weiß Haslacher Revierförster Winfried Seitz und fügt hinzu: "Das ist sehr schade um den Lebensraum, den eine Streuobstwiese sonst bietet". Denn mit der Zeit und wachsendem Druck der Sträucher wird dieser Lebensraum zu Grunde gerichtet. In diesen Flächen leben viele seltene Tiere und Pflanzen, für die im Rahmen des Projektes "LIFE rund ums Heckengäu" Lebensraum erhalten und verbessert werden soll. Ziel ist es, 30 Hektar Streuobstwiesen am Schönbuchtrauf wieder herzustellen. Dieser ist gleichzeitig auch Teil des europäischen Schutzgebietnetzwerkes Natura 2000. Mit diesem Naturschutzkonzept möchten die EU-Mitgleidsländer europaweit gefährdete, natürliche und naturnahe Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten sowie die wildlebenden Vogelarten nachhaltig erhalten.

In Streuobstwiesen sollen insbesondere die Lebensgrundlagen für Vogelarten wie Halsbandschnäpper, Wendehals und andere Spechtarten erhalten werden. Diese brauchen alte Obstbäume, in denen sie ihre Nisthöhlen bauen können, sowie blütenreiche Wiesen und totes Holz, aus denen sie ihre Insektennahrung gewinnen. Auch der Vogel des Jahres 2014, der Grünspecht, brütet sehr gerne in Streuobstwiesen. In den Magerwiesen an den Hängen blühen zudem seltene Pflanzen wie Enziane und Küchenschelle.

Im Vorfeld hatten bereits beim Landkreis Böblingen beschäftigte Bundesfreiwillige vorgearbeitet und Schneisen in die Gebüsche geschlagen. Dennoch war am Landschaftspflegetag noch eine Fläche von gut einemHektar (= 10.000 m2) zu bearbeiten. Am steilen Hang wurde ein Magerrasen in Handarbeit von dichtem Gehölzbewuchs befreit und eine Streuobstwiese freigeschnitten. Die abgeschnittenen Triebe des Gehölzes wurden auf großen Stapeln gesammelt und anschließend verbrannt. Ins Schwitzen konnte man da schon kommen. Aber was hat es nicht für einen Vorteil, auf einer Streuobstwiese zu arbeiten, deren Apfelbäume voller prächtiger Äpfel hängen? Neben so manch fruchtiger Zwischenmahlzeit konnte man sich auch im Obstbaumschnitt weiterbilden. Ein im Rahmen des LIFE-Projekts ausgebildeter Baumschneider demonstrierte, wie man alte Obstbäume statisch stabilisiert, damit sie nicht unter der Last der Früchte auseinanderbrechen. Baumhöhlen und abgestorbene Äste werden dabei als Lebensraum für Vögel erhalten. Und natürlich soll die ganze Arbeit nicht umsonst gewesen sein - nach der Pflegeaktion werden die Flächen künftig ein bis zwei Mal jährlich gemäht oder mit Schafen abgeweidet, um neuen Gehölzbewuchs zu unterdrücken. Wird dies nicht gemacht, wachsen die Wiesen auf lange Sicht hin wieder mit Büschen und Bäumen zu.

Nach gut dreistündiger Arbeit konnten sich die Helfer über den geleisteten Fortschritt und eine Belohnung freuen. Diese wartete in Form von traditionell schwäbischer Köstlichkeiten vom Landgasthof Rössle in Waldenbuch an der Gültsteiner Hütte im Schönbuch auf die zahlreichen Helfer. Auf Holzbänken und Biertischgarnituren konnte man sich rund um das knisternde Lagerfeuer niederlassen. Jung und Alt verspeisten Linsen, Spätzle, Kassler und Rote Wurst bei wunderschöner Herbstwaldszenerie und hunderten von hinabrieselnden Blättern. Nebenher wurde geplaudert und heimisches Bier sowie Landkreisapfelsaft genossen. Abgerundet wurde der Landschaftspflegetag mit Dankesworten der Organisatoren, die noch einmal unterstrichen, was für große Leistungen an diesem Tag für die Natur erbracht wurden.