Denkmalschonende Forstwirtschaft am Beispiel des Stadtwaldes Esslingen

16.10.2017

Wälder bieten sehr gute Voraussetzungen für den langfristigen Schutz und die Erhaltung archäologischer Denkmale, da eine systematische Bodenbearbeitung, wie sie in der Landwirtschaft üblich ist, unterbleibt. Dennoch kann es aus Unkenntnis - wenn die Denkmale nicht bekannt sind - beim Maschineneinsatz im Rahmen von Forstarbeiten oder beim Bau von forstlichen Fahr- und Maschinenwegen zu Schäden an der Denkmalsubstanz kommen. Das Merkblatt „Denkmale im Wald: Erkennen und Schützen“ aus der Reihe ForstBW Praxis hilft, solche Fehler zu vermeiden.

Geschäftsführer Felix Reining erklärte: „Der Wald und eine sorgsame, nachhaltige Bewirtschaftung bieten einen idealen Schutz archäologischer Denkmale. ForstBW ist sich der Erhaltungspflicht der Denkmale bewusst. Wir setzen uns durch Schulungen und Information dafür ein, dass diese Denkmale für die Gesellschaft geschützt und erhalten bleiben.“ Mit dem Merkblatt habe man gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt eine Grundlage geschaffen, auf der alle Waldbesitzenden in der Lage seien, die geltende Rechtsvorschrift einzuhalten. Dar-über hinaus finden die Waldeigentümer die zuständige Stelle, wo archäologische Funde und unbekannte Denkmale gemeldet werden können und helfen dadurch, bisher unbekannte Denkmale zu erfassen und langfristig zu sichern.

Landesarchäologe Prof. Dr. Dirk Krausse unterstreicht: „Die sehr gut erhaltene spätkeltische Viereckschanze an der wir augenblicklich unsere Pressekonferenz abhalten, ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie gut Bodendenkmale im Schutz des Waldes konserviert werden, wenn nachhaltige und vorsichtige Wald-Bewirtschaftungsmethoden zum Einsatz kommen. Hier hat sich der modellhafte Einsatz von Rückepferden zum denkmalschonenden Holztransport bewährt.

Leiter des Grünflächenamtes Burkhard Nolte: „In einer geschichtsträchtigen und von mittelalterlichen Bauwerken geprägten Stadt wie Esslingen am Neckar hat der Denkmalschutz naturgemäß einen hohen Stellenwert. Besiedlungspuren aus der Vorgeschichte Esslingens be-finden sich aber nicht nur innerhalb der früheren Stadtmauern, sondern auch im Stadtwald. Markantestes Beispiel im Esslinger Wald ist die mehr als 2000 Jahre alte keltische Viereck-schanze mit der nahe gelegenen Grabhügelgruppe im Gewann ‚Burgstall‘.“ Esslingen sei seit dem Jahr 2009 in der glücklichen Lage, über eine vollständige Denkmaltopographie für die gesamte Gemarkung zu verfügen. Stadtförster Ingo Hanak habe deshalb vor drei Jahren die erste Möglichkeit genutzt, eine Fortbildung zum Thema „Denkmalschutz im Wald“ zu besuchen. Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landesamtes für Denkmalpflege habe bereits ein Jahr später erfolgreich ein Konzept für die Bewirtschaftung der keltischen Viereck-schanze und die Hügelgrabgruppe erarbeitet und umgesetzt werden können. „Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken! Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang auch das große Engagement der Ortsgruppe Esslingen des Schwäbischen Albvereins, der die Erstellung der Schautafeln im Rahmen dieses Projektes aktiv begleitet und großzügig gefördert hat.“

Hintergrund
Das Merkblatt „Denkmale im Wald: Erkennen und Schützen“ aus der Reihe ForstBW Praxis haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ForstBW und des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart gemeinsam erstellt. In dem Merkblatt sind Hinweise zum schonenden Umgang mit Denkmalen im Wald zusammengestellt, die bei gemeinsamen Schulungen von Denkmalpflege und Forstverwaltung erstellt wurden und sich in der forstbetrieblichen Praxis bereits bewährt haben.
Am Beispiel der mehr als 2000 Jahre alten keltischen Viereckschanze im Gewann „Burgstall“ auf Esslinger Gemarkung kann mustergültig gezeigt werden, wie denkmalgerechte Forstwirtschaft in der Praxis umgesetzt wird. Auf dem mit Wall und Graben umgebenen keltischen Siedlungsplatz wurden bei Ausgrabungen in den 1920er-Jahren das Tor und Überreste eines Gebäudes freigelegt. Bereits damals war das Gelände von Wald bestanden. In den letzten Jahrzehnten kam es durch Stürme wiederholt zu Schäden an der archäologischen Substanz der Anlage, da zahlreiche große Bäume umgestürzt sind. Eine weitere Gefahr für das archäo-logische Denkmal ging von schweren Forstmaschinen aus, die ihre Spuren auf den Rückegassen hinterlassen haben. Die meisten Befahrungsschäden in der Vergangenheit waren aber nicht auf mangelnde Sorgfalt bei der Waldpflege, sondern auf Unkenntnis über die tat-sächliche Lage vieler archäologischer Kulturdenkmale, besonders bei der Beseitigung von Orkanschäden, zurückzuführen.

In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege hat die Stadt Esslingen am Neckar im Jahr 2015 die windwurfgefährdeten großen Bäume auf der Viereckschanze und an der benachbarten Hügelgrabgruppe gefällt und problematische Rückegassen entweder auf-gegeben oder verlegt. Die Forstarbeiten wurden auf besonders denkmalschonende Art und Weise durchgeführt, u.a. durch den Einsatz von Rückepferden. Langfristiges Ziel ist eine Bewirtschaftungsform, die ohne hohe windwurfgefährdete Bäume auskommt. Die Bäume wer-den dabei frühzeitig entnommen, bevor sie eine sturmschadensanfällige Dimension erreicht haben. Dadurch bleibt auf der Fläche immer ein lockerer Baumbestand mit geringer Höhe erhalten, der das Denkmal vor Erosion schützt und Sturmschäden vorbeugt.

Weitere Informationen zum Wald in Baden-Württemberg und ForstBW erhalten Sie unter www.mlr.baden-wuerttemberg.de sowie unter www.forstbw.de.

Quelle: Pressemitteilung Forst BW