Eindrücke vom Brunch auf dem Bauernhof

08.08.2017

Die größte Brunchveranstaltung in Baden-Württemberg, der von den sieben Naturparken im Land gemeinsam mit den beteiligten Landwirten organisierte Brunch auf dem Bauernhof, feierte in diesem Jahr mit landesweit mehr als 10.000 Besuchern sein 10-jähriges Jubiläum.

Auf ungefähr 80 Höfen im Land werden alljährlich am 1. Sonntag im August regionale Köstlichkeiten serviert.

Im Schönbuch öffneten der Lindenhof in Ammerbuch und der Kreuzberger Hof in Hagelloch ihre Tore für die Gäste. Bei der Organisation unterstützten sie der Naturpark und das Tübinger Landratsamt. Landrat Joachim Walter eröffnete den Brunch feierlich.

Die Gründe für diese landesweite Brunchaktion sind recht vielfältig. Zum Einen können die Landwirte bei Gelegenheiten wie dem Brunch den Bekanntheitsgrad ihrer Hofläden steigern und Appetit auf ihre Produkte machen. Eier, Karotten, Kartoffeln, Fleisch und Wurst, Obst und selbstgebackenes Brot… die Auswahl ist groß!

Zum Anderen dient die Aktion als Informationsveranstaltung. Im Interview mit dem SWR wies Herr Reutter vom Kreuzberger Hof darauf hin, dass viele Leute heute kaum noch wüssten, wie und wo ihre Nahrungsmittel hergestellt werden. Daher soll der Brunch auf dem Bauernhof auch mehr bieten als den Genuss regionaler Produkte: Die Besucher erfahren im angenehmen Rahmen eines gemütlichen Essens allerhand über die Arbeit der Landwirte und besonders natürlich über den Hof, auf dem der Brunch stattfindet. Welche Getreidesorten werden angebaut? Sollen Pestizide beim Anbau auf dem Hof eingesetzt werden und falls ja: welche und in welchem Umfang? Welche Nutztiere werden gehalten?

Solche und viele weitere Fragen sind für die meisten Besucher keinesfalls alltäglich, für die Hofbetreiber unter Umständen aber zukunftsentscheidend. Durch ihre Beantwortung werden für die Besucher viele landwirtschaftliche Vorgänge besser nachvollziehbar. Dadurch, so eine Hoffnung der Brunchveranstalter, wird das Augenmerk der Leute wieder mehr auf die Bedeutung der Herstellung für die Qualität unserer Nahrungsmittel gelenkt. Preise können begründet und Unterschiede für Natur und Konsument deutlich gemacht werden.

Für den Naturpark als Brunch-Partner schließlich geht es auch darum, auf die Verbindung zwischen Landwirtschaft und den einzigartigen Landschaften in den Naturparken hinzuweisen. Denn neben der Forstwirtschaft ist es vor allem die Landwirtschaft, die das Aussehen unserer Kulturlandschaft prägt.

Auch im Naturpark Schönbuch, dessen Flächen immerhin zu 86 Prozent bewaldet sind, gibt es Offenland. Die wenigen Freiflächen sind meist landwirtschaftlich genutzt, beispielsweise um Bebenhausen oder beim Schloss Hohenentringen und dienen den Landwirten als Erwerbsgrundlage. Darüber hinaus werden durch die Offenhaltung der Landschaft aber auch Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen. Bekannt als Lebensraum vieler geschützter Arten sind etwa die Streuobstwiesen, wie sie vor allem am Südwestrand des Schönbuchs noch immer erhalten geblieben sind. Die extensive Obsterzeugung mit Grünlandnutzung bietet einer erstaunlichen Vielzahl von Tieren Lebensraum. 3.000 Tierarten, davon über 50 Brutvogelarten wie Neuntöter oder Kernbeißer, wurden in Streuobstwiesen nachgewiesen. Die Wiesen, Weiden und Felder können von den Landwirten nur dann weiterhin bewirtschaftet werden, wenn dabei ein angemessenes Einkommen erzielt werden kann.

Der große Anklang des Brunches lässt hoffen, dass es auch weiterhin Menschen in der Region gibt, die auf Herkunft und Qualität ihrer Nahrungsmittel achten und die bereit sind, die lokalen Landwirte durch einen bewussten Konsum zu unterstützen.