Schönbuchprojekt „Der Bezenberg“ wird mit dem Kleindenkmalpreis des Schwäbischen Heimatbundes und des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

11.10.2017

Eberhard Klein und Günther Schwarz werden für ihren hervorragenden Beitrag zur Dokumentation der regionalen Kulturgeschichte geehrt

Der Kleindenkmalpreis des Schwäbischen Heimatbund wird seit 1990 alljährlich an BürgerInnen für ihr Engagement zur Erfassung und Sicherung von Kleindenkmalen als Zeugnisse der Kulturgeschichte verliehen. Der Förderverein Naturpark Schönbuch holte bereits 2008 mit seinem Projekt „Zeugen der Vergangenheit“ die Auszeichnung in den Naturpark Schönbuch. In diesem Jahr ging der Preis an die zwei ehemaligen Schönbuchförster Eberhard Klein und Günther Schwarz. Sie erarbeiteten eine detaillierte tabellarische Übersicht über die steinernen Zeugen der Vergangenheit am Bezenberg und ihre Geschichten und stellen sie in einer sehr anschaulichen, vom Förderverein Naturpark Schönbuch herausgegebenen Broschüre der Öffentlichkeit zur Verfügung.

 

Bei der  feierlichen Preisverleihung am 09. Oktober 2017 in Sontheim an der Brenz überreichten Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg den beiden Förster die Auszeichnung.
Unter den rund 150 geladenen Gästen waren neben dem Heidenheimer Landtagsabgeordneten und SPD-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag Andreas Stoch, dem Waldenbucher Bürgermeister Michael Lutz und dem Bürgermeister der Stadt Aichtal, Lorenz Kruß auch der ehemalige Vorsitzende des Schwäbischen Heimatbundes, Fritz-Eberhard Griesinger vertreten. 

Dr. Volker Kracht, Vorsitzender der Jury lobte in seiner Laudatio neben dem Fleiß und dem großen Engagement der Protagonisten auch deren fundiertes Wissen sowie die große thematische Bandbreite, die im hundertseitigen Werk des Fördervereins Naturpark Schönbuch zum Vorschein kommt. Die Broschüre von Eberhard Klein und Günther Schwarz trage in vorbildlicher Weise dazu bei, das Wissen um die Geschichte des Bezenbergs zu erhalten und Namen und Erzählungen weiterzugeben. Außerdem mache sie Lust darauf, sich dort selbst mit offenen Augen umzusehen, so Dr. Volker Kracht, ehemaliger Referatsleiter Naturschutz und Landschaftspflege beim Regierungspräsidium Tübingen.


Die Broschüre „Der Bezenberg“ wurde gefördert durch den Naturpark Schönbuch mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg und der Lotterie Glücksspirale und kann bei der Naturparkverwaltung in Bebenhausen gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro zuzüglich Porto bestellt werden.

  

 

 

Hintergrundinformationen:

Die Gegend um den Bezenberg birgt zahlreiche historische Fundstätten. Die ältesten Belege einer Besiedelung hinterließen Kelten, beispielsweise in der Markung Neuenhaus, wo sich etliche Grabhügel aus der Hallstattzeit (ab ca. 800 v.Chr.) finden. Auch die spätere Anwesenheit der Römer ist noch heute durch Fundstücke belegbar. Auch von den folgenden Jahrhunderten blieben alte Grenzverläufe und Denkmäler, Brunnen, Gebäude und Salzlecken zurück, die uns einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen.

Die Geschichte der Waldnutzung und des Waldbaus am Bezenberg offenbart sich jedoch noch in ganz anderen Quellen. Alte Dokumente und aktuelle Artenzusammensetzungen wurden für diese Broschüre durchforstet und zeigen, dass der Wald sehr verschiedene Zeiten erlebt hat. Die Glasmacherei ab 1500 etwa hinterließ große Lichtungen im zuvor geschlossenen Buchenwald. Intensive Beweidung führte zu Hutewäldern, die eher lockeren Parklandschaften als einem Wald glichen. Zeitweise war rund ein Drittel des Betzenbergs gänzlich entwaldet. Selbstverständlich musste der Wald auch als Jagdrevier des Adels herhalten. Der hohe Wilddruck ließ kaum Naturverjüngung zu. Nach massiven Aufforstungsarbeiten ab dem 19. Jahrhundert, einer von Grund auf veränderten Waldnutzung und stark verringerten Wildbeständen sind die 1.500 Hektar heute wieder fast vollständig bewaldet. Der über die Jahrhunderte recht wechselvollen Behandlung der Wälder sowie den abwechslungsreichen Standortsverhältnissen ist es zu verdanken, dass sich auf diesem begrenzten Gebiet heute sehr unterschiedliche Waldgesellschaften finden.

Auch die Gewinnung von Stubensand und Ton für Töpfereien spielten in dem Gebiet eine Rolle und fanden Eingang in die umfassende Broschüre.