Schönbuch zum Waldgebiet des Jahres 2014 gewählt

01.01.2014

Minister Alexander Bonde: "Die verdiente Auszeichnung für den Schönbuch ist Würdigung der Verdienste aller, die sich für dieses Waldgebiet einsetzen"

Das Bewusstsein und Wissen zur Erhaltung der Wälder für zukünftige Generationen zu sichern - dieses Ziel wurde schon 2011 im "Internationalen Jahr des Waldes" verfolgt. Damit auch nach Abschluss dieses Jahres die Themen der Nachhaltigkeit nicht in den Hintergrund geraten, sucht der Bund der Deutschen Forstleute (BDF) seit 2012 jährlich einen besonderen Wald, der zum "Wald des Jahres" gekürt wird.

Der BDF möchte gerade in Zeiten des Klimawandels und der Erneuerbaren Energien darauf hinweisen, dass der Wald mehr als ein Randthema ist. Durch das große Interesse der Presse an diesem Titel erhält das auserwählte Waldgebiet die Möglichkeit, seinen Wald und die darin arbeitenden Menschen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Von Anfang April bis Ende Mai hatten Waldgebiete aus ganz Deutschland die Chance, sich beim BDF zu bewerben. Voraussetzungen waren, dass das Waldgebiet bewirtschaftet wird und verschiedene Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllt. In der Bewerbung musste neben einer detaillierten Gebietsbeschreibung auch die Antwort auf die Frage, was die Arbeit der Forstleute vor Ort auszeichnet, enthalten sein. Fragen über die Themen Ökologie, Ökonomie und Erholung, welche von "Welche Konzepte werden im Waldgebiet zum Thema "Naturschutz" erarbeitet?" über "Wie groß ist der jährliche Holzeinschlag pro Hektar?" bis hin zu "Welche Veranstaltungen werden angeboten?" reichten, mussten beantwortet werden. Bei der Bewerbung des Schönbuchs standen neben seinem hohen Schutzgebietsanteil und dem Artenreichtum auch die kulturhistorischen Besonderheiten, das Rotwildvorkommen und die hervorragende Eignung als Wandergebiet im Vordergrund.

Auszug aus der Kurzfassung der Bewerbung: "Mitten im Neckarraum südlich von Stuttgart liegt das Kleinod Schönbuch, welches 1972 zum ersten Naturpark Baden-Württembergs erklärt wurde. Fast die gesamte Waldfläche ist als Schutzgebiet ausgewiesen. In den Wald eingebettet sind romantische Täler, liebliche Streuobstwiesen und Weiher, Halbtrockenrasen und Feuchtwiesen sowie das malerische Zisterzienserkloster Bebenhausen. Die hauptsächlich von Eiche und Buche gebildeten Wälder mit ihrem strukturreichen Aufbau bieten einer reichen Flora und Fauna Lebensraum. Acht Specht- und 15 Fledermausarten sowie die meisten heimischen Baumarten sind im Schönbuch zu finden. In den naturnahen und praktisch unverbauten Bächen finden Wasseramsel, Feuersalamander und Steinkrebs Lebensraum. Zudem ist der Schönbuch eines von nur fünf Rotwildgebieten Baden-Württembergs. Wenige Wälder weisen so viele Zeugen frühzeitlicher Siedlungsgeschichte auf wie der Schönbuch. Die zahlreichen Kleindenkmale machen ihn zu einem Lesebuch lokaler Geschichte. Soldatengräber und Hirschsteine, Gedenksteine und Brunnen wurden liebevoll restauriert und nehmen den Besucher mit an die Schauplätze längst vergangener Ereignisse. Besucher können rund 20 Kilometer weit durch naturnahe Wälder wandern ohne auf eine Straße zu stoßen. Wegen des anspruchsvollen Geländes bietet der Schönbuch für den Laufsport ein ideales Trainingsfeld, in dem sogar Olympiasieger und Weltmeister regelmäßig trainieren. Für Forstleute ist der Schönbuch ein komplexes Nebeneinander von Anforderungen, die es unter einen Hut zu bringen gilt. Vorrangige Ziele sind Erholung und Naturschutz, doch das Geld dafür stammt zu einem großen Teil aus der Holzproduktion. Rotwilderhaltung und Erholung, Veranstaltungen zur Umweltbildung und die Umsetzung anspruchsvollen Waldbaus erscheinen als Quadratur des Kreises. Der Schönbuch verlangt engagierte Forstleute und fordert sie in allen Belangen. Ihr Lohn ist ein lebendiger Wald, der als Lebensraum wie als Erholungsgebiet überzeugt."

Die Bundesleitung des BDF wählte unter allen Bewerbungen Anfang Juni vier Kandidaten zur engeren Auswahl aus. Es handelte sich um die Waldgebiete Lieberoser Heide in Brandenburg, den Steigerwald in Bayern, das Zittauer Gebirge in Sachsen und unseren Schönbuch.

Von Mitte Juni bis Ende August 2013 war es nun der Öffentlichkeit im Rahmen einer Internetabstimmung überlassen, welches der vier Waldgebiete den Titel erhalten sollte. Im Endspurt konnte der Schönbuch das Zittauer Gebirge überholen und entschied letztendlich mit 59 Prozent der über 12.000 abgegebenen Stimmen die Wahl für sich.

Die zahlreichen Stimmen zeigen, dass die Menschen dieser Region das Erholungsgebiet zwischen Tübingen, Herrenberg, Böblingen und Waldenbuch lieben und sich mit dem Wald vor ihrer Haustüre identifizieren. In dem überragenden Ergebnis sieht die Naturparkverwaltung aber gleichzeitig auch den Auftrag, den Schönbuch auch zukünftig sehr behutsam weiter zu entwickeln und seine Stärken, die in der reichhaltigen Naturausstattung und der ruhegebundenen Erholungseignung liegen, zu fördern.

"Durch unsere Arbeit möchten wir zum Erhalt der ökologischen, ökonomischen und sozialen Leistungen dieses wunderschönen Waldgebietes beitragen", so Martin Strittmatter, Vorsitzender des Naturparks Schönbuch. Damit das Waldgebiet des Jahres seinem Titel gerecht wird, hat die Naturparkverwaltung große Pläne: "Wir möchten die Menschen 2014 mit besonderen Veranstaltungen einladen, den Schönbuch zu erkunden und die Vielfalt dieses Waldgebietes kennen zu lernen. Wir werden Aktionen anbieten, die es in dieser Form noch nie im Naturpark gegeben hat", freut sich der Naturparkvorsitzende.

Am 05. April 2014 wird der Titel "Waldgebiet des Jahres" im Landratsamt Tübingen durch den Bund Deutscher Forstleute (BDF) im Rahmen einer Festveranstaltung verliehen. So passt es gut, dass im Frühjahr 2014 die neue Naturpark-Homepage an den Start geht. Im Laufe des Jahres sollen ergänzend dazu noch nützliche mobile Internetapplikationen zur Verfügung gestellt werden. Spätestens dann sollen auch die derzeit laufenden Ergänzungen zum Besucherleitsystem abgeschlossen sein.

Einen Höhepunkt des diesjährigen Veranstaltungskalenders plant das Generationentheater "Zeitsprung" in Zusammenarbeit mit der Naturparkverwaltung im Sommer mit seinem Freilufttheater mit historischem Schönbuchbezug auf dem Klostergelände Bebenhausen. Freunde des guten Geschmacks sollten sich den 18. und 19. Oktober 2014 im Kalender notieren: Dort wird das Kloster Bebenhausen zur Kulisse für den ersten Kloster- & Naturparkmarkt "Himmel und Erde", eine gemeinschaftliche Veranstaltung von "Tübingen erleben", "Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg", der unteren Forstbehörde des Landkreises Tübingen und dem Naturpark Schönbuch.

Ganz besonderen Niederschlag findet die Auszeichnung zum "Waldgebiet des Jahres" im bewährten und diesmal extra dicken Veranstaltungskalender für das Jahr 2014, welches ab sofort kostenlos bei allen Naturpark Gebietskörperschaften und bei der Naturparkgeschäftsstelle im Schloss Bebenhausen für Sie bereit liegt.

Für die umfassende Unterstützung bei der Wahl zum Waldgebiet des Jahres möchten wir uns noch mal ganz herzlich bedanken!