Rotwild im Schönbuch

© Erich Tomschi
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Rotwild ist die größte wildlebende Säugetierart in unseren Wäldern. Der Hirsch wird oft auch als „König der Wälder“ bezeichnet.
Während das deutlich kleinere Rehwild in Baden-Württemberg flächendeckend vorkommt, gibt es Rotwild nur in folgenden ausgewiesenen Gebieten: Nordschwarzwald, Südschwarzwald, Odenwald, Allgäu und Schönbuch.
Es war hier schon lange vor der menschlichen Besiedelung heimisch. Durch die Hofjagd des württembergischen Königshauses genoss es in den vergangenen Jahrhunderten besonderen Schutz.

Rotwild

Der Schönbuch eignet sich als Lebensraum für das Rotwild in besonderer Weise. Er ist eines der größten zusammenhängenden Laubwaldgebiete in Baden-Württemberg und nur wenig von Straßen zerschnitten. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs konnte sich das Rotwild sehr stark vermehren. Wegen hoher Schäden am Wald und in der angrenzenden Feldflur wurde von fast allen Schönbuchgemeinden der Totalabschuss gefordert.
Das Land wollte aber sein Wappentier nicht zuletzt auch aus landeskulturellen Gründen erhalten. So entstand Ende der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts das rund 4.000 Hektar (= 40 km²) große Rotwildgatter im zentralen Schönbuch.
Außerhalb dieses Zaunes wurde das Rotwild vollständig erlegt. Neben der Begrenzung von Schäden an Wald und Flur, hilft der Zaun auch, Wildunfälle zu verhindern.

Seit ca. 25 Jahren wird das Rotwild nach einer wildbiologischen Konzeption bewirtschaftet, die europaweit beispielgebend ist. Man versucht das Ruhebedürfnis des Rotwildes und den Wunsch der Waldbesucher, Tiere zu beobachten, mit den Interessen der Forstwirtschaft in Einklang zu bringen.

Elemente des Rotwildmanagements im Schönbuch

Verbesserung der Lebensbedingungen

- durch Erhöhung des Äsungsangebotes in jungen, ungezäunten Wäldern
- durch Anlage und Pflege von Flächen auf denen Gräser wachsen
- durch Anpassung der Population an den Lebensraum – Zielbestand sind 150 bis 180 Stücke
- die Jagd wird extrem störungsarm nur an wenigen Tagen im Herbst ausgeübt
- durch Ausweisung von Wildruhezonen.

Nach der erfolgreichen Umsetzung dieser Maßnahmen ist das Rotwild wieder vertrauter geworden, es kommt nun zeitweise auch tagsüber auf die Wiesen zum Äsen. Gleichzeitig sind Verbiss- und Schälschäden in den Waldbeständen zurückgegangen. Weniger Störungen bedeuten für das Wild auch weniger Stress. Die verbesserte Lebensqualität hat u. a. zu höheren Körpergewichten geführt.
An speziell ausgewählten Punkten wurden im Naturpark für die Waldbesucher öffentlich zugängliche Beobachtungsstände geschaffen. Mit etwas Glück und ruhigem Verhalten kann hier Rotwild in freier Natur erlebt werden, ohne dem Wild zu schaden.
Außerdem garantieren sieben Schaugehege – zwei davon mit Rotwild – eine sichere Möglichkeit zur Wildbeobachtung.

Ruhe für das Wild

Eine wichtige Voraussetzung für die Einhaltung des natürlichen Lebensrhythmus ist die Verringerung von Störungen.
Rotwild sollte jederzeit Nahrung aufnehmen können ohne vom Mensch gestört zu werden. Besonders verhängnisvoll sind Störungen im Spätwinter, wie z. B. das verbotene Sammeln von abgeworfenen Geweihstangen.
Eine besondere Rückzugsmöglichkeit bieten die fünf Wildruhezonen. Sie liegen meist abseits von Wanderwegen und Erholungseinrichtungen.
Hier besteht ein Betretungsverbot abseits der befestigten Waldwege.
Helfen Sie durch Ihr richtiges Verhalten, dass sich unser Rotwild auch im Erholungswald Schönbuch weiterhin wohl fühlt:

- Nutzen Sie die vorhandenen Wege und Erholungseinrichtungen.
- Genießen Sie den Anblick von Wild an den eigens dafür geschaffenen Wildbeobachtungspunkten.
- Respektieren Sie die Wildeinstände, Wildwiesen und Grünschneisen.