Waldweide im Herrenberger Stadtwald

12.08.2019

Galloway-Rinder schaffen nun Lebensraum für seltene lichtliebende Arten.

Bei der letztjährigen Landschaftspflegeaktion im Naturpark Schönbuch Ende Oktober 2018 haben die vielen fleißigen Helfer vorbereitende Arbeiten für die Waldweide im Stadtwald Herrenberg durchgeführt. Sie haben das auf dem Waldboden liegende Reisig auf Häufen konzentriert, damit die Fläche von den Rindern besser begangen werden kann und das Gras und die krautigen Pflanzen gut wachsen können.

Seit Mitte Juni 2019 sind nun 5 Galloway-Rinder in der Waldweide am „Sauhägle“ im Stadtwald Herrenberg, berichtet der Leiter des Kreisforstamts Böblingen, Reinhold Kratzer, der zugleich Initiator des Waldweide-Projekts ist.

Zugefüttert wird in der Waldweide nicht – wenn die Nahrung nicht mehr ausreicht, kommen die Rinder wieder eine Zeit lang aus der Fläche. An 3 Tränkteichen und am Sommerbach, der unterhalb der Freßeiche durch die Waldweide-Fläche fließt, können die Rinder ihren Durst stillen. Dem ersten Eindruck nach fühlen sich die Rinder im Weidewald sehr wohl und genießen ihren Aufenthalt im Naturpark Schönbuch.

Historisch bedeutende Waldnutzungsform

Die 5 Galloways werden in den Sommermonaten eine historisch bedeutende Waldnutzungsform für die Besucher des Naturparks Schönbuchs sichtbar und erlebbar machen. In der Ortschronik von Gültstein, die anlässlich des 1.250-jährigen Jubiläums von Gültstein in diesem Jahr herausgebracht wurde, wird die historische Bedeutung der Waldweide an mehreren Stellen ausgiebig beschrieben. Über einen langen Zeitraum war die Waldweide für Mensch und Tier eine prägende Waldnutzugsform. So gab es im Jahr 1714 im Schönbuch (ohne den Bebenhäuser Klosterwald) 15.046 Stück Weidevieh in 117 Herden, wie wir aus forstgeschichtlichen Dokumenten wissen.

Im Gegensatz zu damals, umgibt heute ein solar-gespeister Elektro-Zaun die Waldweide-Fläche. Dieser wurde im Mai 2019 von einer auf Weidezäune spezialisierten Fachfirma aus der Region erstellt und funktioniert tadellos.

Lebensraum für seltene lichtliebende Tiere und Pflanzen

Es entsteht in diesem kleinen Bereich nun wieder ein lichter Weidewald, der selten gewordenen Tieren und Pflanzen als Lebensraum dient. So war bereits in diesem Frühjahr der Laubfrosch an einem der 3 Tränkteiche zu hören, und an lichtliebenden Vogelarten waren der Gartenrotschwanz, der Star und der Mittelspecht zu beobachten, berichtet Winfried Seitz, der für diesen Bereich zuständige Forstrevierleiter des Kreisforstamts Böblingen. Auch der dort vorkommende Hirschkäfer und die 13 im Stadtwald Herrenberg nachgewiesenen Fledermausarten werden von den lichten Strukturen in der Waldweide profitieren.

Ende Juni 2019 fand in der Waldweide eine Exkursion der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Böblingen für den ehrenamtlichen Naturschutz statt. Die ca. 40 Teilnehmer/innen waren sehr angetan und voll des Lobes über die Waldweide und ihre vielfältigen positiven Auswirkungen für den Naturschutz.

Eine Bereicherung für die Waldbesucher

Neben der hohen Bedeutung für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und der daraus resultierenden Biodiversität stellt die Waldweide aber insbesondere für die Besucher des Stadtwalds Herrenberg im Naturpark Schönbuch eine Bereicherung dar – eine Waldweide ist auch eine Augenweide, sagt Reinhold Kratzer.

Auf den rund 7 ha Waldweide-Fläche haben die 5 Galloways viele Möglichkeiten, sich je nach Witterung und Tageszeit aufzuhalten und es gibt auch kleinere Bereiche, in denen sie von Waldbesuchern nicht gesehen werden können. Der weitaus größte Teil der Fläche ist aber aufgrund der günstigen örtlichen Gegebenheiten von den Waldwegen Kayhertalsträßle, Ludwig-Volz-Sträßle und Urschelrainweg aus einsehbar. Der Bau einer Beobachtungsplattform zur besseren Beobachtung und das Anbringen von Infotafeln zur weiteren Information für die Waldbesucher sind vorgesehen.

So kommen Sie zur Waldweide

Wenn Sie die Waldweide besuchen wollen, können Sie dies vom Parkplatz des Schönbuchturms bzw. des Waldfriedhofs Herrenberg aus tun, indem Sie das Sommertalsträßle bis zur Freßeiche in Richtung Neue Brücke / Bebenhausen hinunterlaufen (ca. 3 km Fußweg).

Deutlich näher ist es vom Wanderparkplatz „Mönchberger Sattel“ oberhalb von Mönchberg aus. Von dort kommen Sie dem Kayhertalsträßle in Richtung Neue Brücke / Bebenhausen folgend bereits nach gut 1 km zur Waldweide-Fläche.

(Autoren: Winfried Seitz und Reinhold Kratzer, Untere Forstbehörde Landratsamt Böblingen)