Wildtiere im Frühjahr besonders aktiv

25.04.2019

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) forscht zu Wildunfallverhütung

Pressemitteilung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg

Stuttgart, 25.04.2019 - „Gerade jetzt im Frühjahr besteht eine erhöhte Gefahr für Wildunfälle im Straßenverkehr. Grund hierfür ist die regelmäßig mit dem Beginn des Frühjahrs sprunghaft ansteigende Aktivität vieler heimischer Wildtierarten. Unsere Forstexperten und Wildbiologen untersuchen Mittel und Wege zur Prävention von Wildunfällen“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am Donnerstag (25. April) in Stuttgart. Während das betroffene Wildtier den Wildunfall häufig mit seinem Leben bezahle, sind für den Menschen in der Regel Sachschäden die Folge. Allerdings seien auch bei Unfällen mit größeren Wildtieren Personenschäden nicht auszuschließen. Besonders für Motorradfahrer würden Wildunfälle oft tragisch enden.

„Hauptgründe für die spürbare Zunahme der Wildtieraktivitäten sind nicht etwa Frühlingsgefühle, sondern Futtersuche und Revierabgrenzung. Vor allem das männliche Rehwild ist jetzt unterwegs. Junge Rehböcke sind auf der Suche nach Revieren“, erklärte Hauk. Der Bewegungsradius der Tiere werde dabei deutlich ausgedehnt. Dagegen werde in den Wintermonaten bei den meisten heimischen Wildarten der Stoffwechsel und damit die Bewegungsaktivität deutlich reduziert. Diese Reduktion kann bis zu 50 Prozent gegenüber den Sommermonaten betragen.

„Besonders hoch ist die Gefahr für Wildunfälle vor allem dort, wo die typischen Lebensräume des Wildes von Verkehrswegen durchschnitten werden. Vor allem in großen geschlossenen Waldgebieten, aber auch in abwechslungsreichen Landstrichen mit Wiesen, Feldern und Waldinseln finden die meisten Wildtiere ideale Lebensbedingungen. Bei Fahrten durch solche Abschnitte ist eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten“, betonte Minister Hauk.

Das Verkehrszeichen ‚Wildwechsel‘ sei unbedingt zu beachten und das Tempo deutlich zu drosseln. Besonders gefährlich seien Fahrten in den Zeiträumen der morgendlichen oder der abendlichen Dämmerung. Hauk wies darauf hin, dass ein Wildunfall in jedem Fall der Polizei, der Gemeinde oder dem zuständigen Jagdausübungsberechtigten mitgeteilt werden müsse. Nicht zuletzt auch im Hinblick auf eine mögliche Schadensabwicklung durch die Kasko-Versicherung sei dies unerlässlich. „Auf keinen Fall darf totgefahrenes Wild einfach mitgenommen werden. Dies kann zu einer Anzeige wegen Wilderei führen“, erklärte Hauk.

Freiburger Experten forschen
Um Wildunfälle zu vermeiden, setzt das Land eine Reihe von Maßnahmen ein. Neben einer elektronischen Wildwarnanlage werden vor allem Wildschutzzäune, Grünbrücken als Querungshilfen für Wildtiere oder Geschwindigkeitsbeschränkungen in wildunfallträchtigen Bereichen eingesetzt.

„Unsere Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg forscht umfassend zum Thema Wildunfallprävention, mit dem Ziel, langfristige Lösungsstrategien zur Verhinderung von Wildunfällen zu entwickeln. Zurzeit wird ein dreijähriges Forschungsprojekt durchgeführt“, sagte Minister Hauk. Neben der Untersuchung der Wirksamkeit verschiedener Wildwarnreflektoren auf Wildtiere stehe die Bildung einer Arbeitsgruppe im Fokus, die sich aus unterschiedlichen Akteuren verschiedenster Fachbereiche zusammensetzt. Gemeinsam sollen neue Wege in der Wildunfallprävention beschritten werden, um die Verkehrssicherheit zu verbessern, aber auch um Wildtieren ein gefahrloses Queren zu ermöglichen. 

Hintergrundinformationen:
Weitere Informationen zu den Themen Wald und Wild finden Sie im Internet unter www.mlr-bw.de oder www.forstbw.de.
Den aktuellen Wildtierbericht 2018 mit umfassenden Informationen zu Wildtieren in Baden-Württemberg finden Sie zum Download unter https://mlr.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mlr/intern/dateien/PDFs/Wald/Wildtierbericht_2018.pdf.