Einsaaten

An vielen Stellen wird eine Neueinsaat nicht zwingend erforderlich sein. Allein durch eine Umstellung des Pflegekonzeptes auf zweischürige Mahd mit Abräumen des Schnittguts können sich mit den Jahren bereits vielfältige Wiesen entwickeln. Die Samen sind im Boden oft noch vorhanden.

Deutlich beschleunigen lässt sich der Vorgang durch eine gezielte Einsaat und, falls notwendig, ein künstliches Abmagern des Bodens durch Abfuhr des Oberbodens oder Einarbeiten von Sand/Kies.

Anders sieht es aus, wenn der Boden beispielsweise durch jahrelange Nutzung als Ackerfläche den Großteil seines Samenvorrats aufgebraucht hat. Durch den jährlichen Umbruch werden die vorhandenen Samen zur Keimung angeregt, finden auf dem Feld dann aber nicht die benötigten Bedingungen und verschwinden rasch, ohne neue Samen gebildet zu haben. So erschöpft sich der Vorrat, und neue Pflanzen können nur von außen auf die Fläche gebracht werden.
Dies kann durch natürliche Vorgänge geschehen: Pflanzen erobern neue Gebiete durch vielfältige Vorgänge, etwa mit dem Wind, im Gefieder von Vögeln oder durch Ameisen, die die Samen in ihr Nest schleppen. Oder der Mensch hilft nach und sät eine geeignete Saatmischung aus.

Auch bei Einsaaten gewinnen die Wiesen bei richtiger Pflege mit den Jahren immer mehr an Artenvielfalt, sowohl bei den Pflanzen als auch bei den Tieren. Je älter eine Wiese, desto größer kann die Vielfalt auf ihr sein; alt-eingewachsene Wiesen können nicht einfach durch eine Neuanlage ersetzt werden. Daher ist es sehr wichtig, bereits vorhandene Wiesenbestände weiterhin gut zu pflegen!

Was für Einsaaten sind geplant?

Wo eine Einsaat gewünscht ist, werden Mischungen verwendet, die folgende Eigenschaften aufweisen:

  • Heimische Arten
  • Regionales Saatgut
  • Mischung kann stabile Wiesengemeinschaft bilden
  • für Spezialisten unter den Insekten geeignet

Die für den Schönbuch verwendeten Mischungen werden über das Projekt an die Besitzer der Flächen weitergegeben. Es geht um bunte Zusammenstellungen von regional-zertifiziertem Saatgut heimischer Wildpflanzen. Hauptsächlich kommen krautige Stauden, Gräser und einige Einjährige zum Einsatz.

Warum heimisch?

Viele Insekten sind auf ganz bestimmte Futterpflanzen angewiesen und fangen mit eingeführten Pflanzenarten nichts an. Oft geht es dabei um die Entwicklung der Larven. So benötigt der Prächtige Bläuling für seine Raupen ein großes Angebot an Vicia-Pflanzen, beispielsweise Vogelwicken. Zitronenfalter entwickeln sich auf den Blättern von Rhamnus-Arten (beispielsweise am Faulbaum), der Aurorafalter legt seine Eier an Kreuzblütlern und zwar bevorzugt an Knoblauchrauke oder Wiesenschaumkraut ab.
Etliche Wildbienenarten (ca. 31% der nestbauenden Arten in Deutschland) benötigen für die Verpflegung ihrer Jungen ganz bestimmte Pflanzen, beispielsweise ausschließlich Pollen von Glockenblumengewächsen. Diese Spezialisierung liegt unter anderem daran, dass die verschiedenen Blütentypen ganz verschiedene Erntetechniken erfordern. Aus langen Blüten können nur langrüsselige Insekten trinken. Mohnblüten wollen ordentlich geschüttelt werden, weshalb Hummeln sie bei der Pollenernte kräftig zum Vibrieren bringen müssen. Die Pflanzen erhöhen durch diese technische Raffinesse die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Bestäubungsservice als nächstes wieder eine gleichartige Blüte anfliegt und erhöhen so ihren Bestäubungserfolg. Denn für die Verproviantierung einer einzigen Larve müssen etliche Blüten angeflogen werrden. Bienen benötigen dabei den gesamte Pollen von mindestens 30 Blüten (Die Menge ist artabhängig - manche Arten brauchen weniger, andere etliche hundert Blüten!). Da sie aber nicht die einzigen sind, die sich am Buffet bedienen und daher die Pollenausbeute kleiner ausfällt als theoretisch möglich, werden tatsächlich deutlich mehr Blüten angeflogen.
Auch Heuschrecken und Zikaden sind oft hoch spezialisiert, die Goldaster-Zirpe beispielsweise saugt ausschließlich an Goldschopfastern.

Blumenmischungen, die für Menschen ansprechend aussehen, sind also nicht zwangsläufig auch geeignet für Insekten. Eingeführte Arten stehen bei keinem der Spezialisten auf dem Speiseplan. Züchterisch bearbeitete Sorten sind für gewöhnlich nur nach dem Aussehen und vielleicht noch nach ihrem Duft gezüchtet, die Nektar- und Pollenausbeute spielt dagegen keine Rolle. Bei gefüllten Sorten wurden die pollenproduzierenden Staubblätter zu Blütenblätter umgewandelt - sieht vielleicht toll aus, aber Pollen werden keine mehr produziert. Sie sind für blütenbesuchende Insekten wertlos.

Hier können sie einige Infos der Firma Rieger-Hofmann mit Tipps zur Aussaat und Anlage einer Blumenwiese herunterladen.

Blumenwiese Mitte Mai

 

Ansprechpartner
Projekt Blühender Naturpark Schönbuch

Rebecca Hurlebaus
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